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Ein künstlicher See für den Strukturwandel

Im Süden von Dortmund lautet die Devise: Auf zu neuen Ufern. Im künstlich erschaffenen Phoenix-See soll sich künftig der Strukturwandel des Ruhrgebietes widerspiegeln. Dort, wo einst die Arbeiter im Stahlwerk malochten, entsteht nun ein Binnengewässer, umgeben von einer völlig neuen Stadtlandschaft.

 

Eigentlich war Hörde immer eine graue Maus unter Dortmunds Stadtteilen, war nie bessere Gegend. Und als dann 1998 erst das Hochofenwerk Phoenix West seine Tore schloss, 2001 die Stilllegung der ehemaligen Hermannshütte sowie deren Verschiffung nach China folgten, da blieb hier nur noch ein großes Loch zurück. 160 Jahre Industriegeschichte waren beendet, Arbeitsplätze verloren gegangen.Nun aber soll das größte Stadtentwicklungsprojekt Deutschlands neue Perspektiven schaffen - für Hörde, für Dortmund, für die gesamte Region. Das insgesamt 96 Hektar große Areal soll sich zum innovativen Lebensraum entwickeln, zu einem modernen Standort für Wohnen, Wirtschaft, Kultur und Naherholung.Im Zentrum dieses Zukunftsprojektes liegt ganz klar der See, der seit Anfang Oktober geflutet wird, was ein Jahr dauern wird: Er ist 1,2 Kilometer lang, 320 Meter breit, drei bis vier Meter tief und mit einer Wasserfläche von 24 Hektar größer als die Hamburger Binnenalster. Allein 65 Millionen Euro fließen in den See. 'Die Gesamtkosten betragen 220 Millionen Euro', sagt Bernd Winkelmann, Sprecher der Dortmunder Stadtwerke (DSW21). Zuschüsse habe es vom Land und der Europäischen Union gegeben: 'Wir hoffen, den Löwenanteil des Geldes über den Verkauf der Grundstücke wieder reinzuholen.'Insgesamt sollen immerhin 900 Wohneinheiten entstehen - Stadtvillen, Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Reihenhäuser. 


Tatsächlich laufe die Vermarktung gut, betont Heinz Hueppe, Geschäftsführer der Phoenix-See-Entwicklungsgesellschaft, einer hundertprozentigen Tochter der Dortmunder Stadtwerke. Von etwa 200 Grundstücken am terrassierten Südhang im Norden sei die Hälfte bereits verkauft. Wegen der guten Nachfrage erfolge die Vermarktung des zweiten Wohngebietes am Südufer schon ab Mitte 2011. Die Grundstückspreise am See, so erklärt Hueppe, seien mit 300 Euro pro Quadratmeter durchaus moderat. Nicht zuletzt deshalb sei es vollkommen 'überzogen', davon auszugehen, dass sich innerhalb des Stadtteils ein soziales Gefälle auftue. 'Es ist ein Schlüsselprojekt, ein brutaler Strukturwandel, aber es wird durch das neu entstehende Gewerbegebiet neue Arbeitsplätze geben', betont Hueppe. Zudem ziehe der See im Jahr voraussichtlich zwei Millionen Besucher an und damit auch zusätzliche Kaufkraft.

Svend Krumnacker, Vorsitzender des 2007 gegründeten Yachtclubs Phoenixsee, bewertet das Projekt ebenfalls als Gewinn für Dortmund, aber er sieht durchaus soziales Konfliktpotenzial, wenn Neureich auf Alteingesessen trifft. 'Das ist ein riesiges Spannungsfeld, es wird Konfrontation geben', sagt Krumnacker. Es treffe etwas aufeinander, was nicht zusammen passe.Da seien die alten Hörder, und die, die mit dem Stadtteil eigentlich nichts zu tun haben. 'Es wird einen Prozess geben, der mindestens 30 Jahre dauert, bis sich Hörde sozial gewandelt hat, bis dahin aber sind Spannungen vorprogrammiert', meint Svend Krumnacker. -'Deshalb wollen wir uns als Club in diesem sozialen Brennpunkt auch für alle öffnen, wollen vor allem die Kinder- und Jugendarbeit forcieren', betont der Vorsitzende, der sich genau wie all die anderen Mitglieder, mittlerweile sind es über 400, auf die erste Segelsaison voraussichtlich 2012 freut.

Andere halten die Gefahr von sozialen Konflikten für gering: 'Die Stimmung in Hörde ist positiv, das Interesse am See ist groß', beobachtet Bezirksbürgermeister Manfred Renno (SPD) schon seit einigen Jahren eine Aufbruchstimmung: 'Klar, dass es zu Umstrukturierungen kommen wird, aber es wird keinen sozialen Verdrängungsprozess geben'.

Quelle: www.ad-hoc-news.de

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