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Stadt prämierte Entwurf von Schamp & Schmalöer 1994

02.07.2001 / LOKALAUSGABE / DORTMUND S

Hörde. Wer über die Vision Phoenix-See spricht, kommt an einer Utopie von 1992 nicht vorbei: In dem Jahr dachte das Architekturbüro Schamp & Schmalöer bereits intensiv über Hörde und die angren-zenden Industriegebiete nach. Wovon träumten Susanne Schamp und Richard Schmalöer 1992.   

Nachzulesen ist dies in ihrer Ausarbeitung "Forum Phoenix-West": Im Westen zwischen Westfalen- und Rombergpark die Freizeitnutzung, deren Hauptattraktion ein ca. 30 ha großer See ist, der aus den Zuflüssen der renaturierten Emscher und des von Süden kommenden Pferdebaches gespeist wird. Im Osten die gewerbliche Nutzung in den wunderbaren alten Hallen; umgenutzt, instandgesetzt - nicht abgerissen. Für ihre Diplomarbeit erhielten die Hörder 1994 den Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstler für den Bereich Architektur und Städtebau. Knapp sechs Jahre später vermarktet die Stadt Dortmund den "See auf Phoenix-Ost" als ihre Vision - genau zu dem Zeitpunkt, als die Entwicklungswerkstatt Phoenix-West aufgeschlossen wird. In der sitzen auch Schamp & Schmalöer und entwerfen mit vier anderen, konkurrierenden Planern städtebauliche Entwicklungsszenarien.

Und die Hörder Architekten halten an ihrer Idee fest. Sie platzieren den See exakt an der Stelle auf Phoenix-West, an der er bereits immer schon in ihren Köpfen existierte - um heute wie damals den Wert des Naturraums Westfalen-/Rombergpark zu betonen. Könnte es sein, dass sich Stadt mit fremden Federn geschmückt hat? "Nein, das sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Schamp und Schmalöer haben den See auf der anderen Phoenix-Seite angelegt. Die Idee ist nicht besetzt, siehe Masch- und Aasee. Da gab es immer schon Überlegungen in anderen Städten. Es wäre unfair, wenn solche Querbezüge hergestellt würden. Da würde ich sehr ärgerlich." Das sagt Norbert Kelzenberg, Mitarbeiter im Planungsamt, und als "geistiger Vater" des Phoenix-Sees im Osten der Industriefläche bekannt geworden. Dass der prämierte Entwurf von Schamp & Schmalöer nicht Mitte der 90-er Jahre an die Öffentlichkeit gelangte, hing mit der damaligen Situation auf Hoesch zusammen. "Das Werk lief auf voller Betriebsstärke. Niemand wollte die Arbeiter mit so einer Vison verschrecken. Der Denkanstoß für die Stadt, einen See anzulegen, kam eindeutig von außen. Die Urheberschaft liegt bei Schamp und Schmalöer, weil sie sich bereits 1992 Gedanken gemacht hatten über die Neugliederung Hördes und der angrenzenden Industriegebiete." So sieht es ein Insider in der Rückbetrachtung. Nicht jedoch Schamp & Schmalöer, die der Stadt heute keinen Vorwurf machen. Denn ihrer Meinung nach ist Architektur und Stadtgeschichte ohne die Weiterverarbeitung von Utopien nicht denkbar. "Wenn dies auch noch zum Wohle unserer Stadt geschieht, wären wir die lezten, die sich beklagen."

Copyright auf Architektur ist ein undankbares Thema, weil der Betroffene die Schutzfähigkeit seines Entwurfes reklamieren muss. "Die geistige Leistung ist urheberrechtlich geschützt. Die Architektenleistung ebenso. Keine Frage. Bei Rechtstreitigkeiten geht es dann aber ganz brutal zu. Eine Idee, wie etwa die Überdachung des Düsseldorfer Bahnhofs ist noch nicht schutzwürdig. Wohl aber die konkretisierte Planung", erklärt Joachim Hoffmüller, Justitiar der Architektenkammer NRW.

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